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Information der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) zu Brustimplantaten

Samstag, 22. April 2017

Die Deutsche Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie hat folgende Meldung der FDA zum sehr seltenen anaplastischen Zell-Lymphom bei Brustimplantatträgerinnen veröffentlicht.

Anaplastisches Zell-Lymphom (ALCL):

Brustimplantate können sehr seltene Krebsart auslösen

Berlin, 27.03.2017 – „Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde „Food and Drug

Administration“ (FDA) hat den Verdacht bestätigt, dass Brustimplantate das sehr

seltene großzellige anaplastische Zell-Lymphom (ALCL) auslösen können“,

berichtet Prof. Dr. Raymund Horch, Präsident der Deutschen Gesellschaft der

Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) und mahnt

zugleich zur Besonnenheit: „Diese Krebsart ist extrem selten. Die FDA rät daher

auch nicht dazu, Implantate vorsorglich entfernen zu lassen – sie ruft lediglich

dazu auf, wachsam zu sein und bei Beschwerden in der Brust an die Erkrankung

zu denken.“

Information und Aufklärung zentral

In diesem Sinne hat auch die DGPRÄC stets agiert. „Bereits 2008 haben wir

unsere Mitglieder erstmals auf ALCL hingewiesen. 2011 wurden die

Aufklärungsbögen auf unsere Veranlassung um diesen Warnhinweis ergänzt. Im

gleichen Jahr haben wir auch die Öffentlichkeit erstmals informiert“, berichtet

Prof. Horch. „Kausale Zusammenhänge bei einer derart seltenen Erkrankung zu

ermitteln, ist komplex. Der FDA ist zu danken, dass sie sich der Frage

angenommen hat“, konstatiert der DGPRÄC-Präsident und weist darauf hin, dass

auch auf EU-Ebene über das „Scientific Committee on Emerging and Newly

Identified Health Risks“ (SCENIHR) gemeinsame Ermittlungen stattfinden.

Ergänzend gebe es auch ein internationales plastisch-chirurgisches Netzwerk,

das sich dazu austausche. „Wichtig ist, dass wir alle wachsam sind. Dabei gilt es,

die Bevölkerung behutsam zu informieren. Es gibt keine Veranlassung, sich zu

sorgen, wenn Patientinnen beschwerdefrei sind“, betont der Professor für

Plastische Chirurgie an der Universität Erlangen. Auch wenn ALCL diagnostiziert

werde, seien die Heilungschancen gut. Meist genüge bereits das Entfernen des

Implantates und des umgebenden Gewebes. Nur in seltenen Fällen sei eine

Bestrahlung notwendig.

Register können zur Klärung beitragen

Die FDA hat 359 gemeldete ALCL-Fälle analysiert – darunter befanden sich neun

Todesfälle. „Angesichts der enorm hohen Anzahl von Brustimplantaten, die in

den letzten 50 Jahren für rekonstruktive oder ästhetische Eingriffe genutzt

wurden, ist die Zahl der Meldungen sehr gering“, berichtet Prof. Horch. Ein

Zusammenhang lasse sich nur schwer belegen, da die Implantat-Gesamtmenge

völlig unklar sei. „Ich kann an dieser Stelle nur unsere langjährige Forderung

nach einem verpflichtenden Implantatregister wiederholen“, betont Prof.

Horch. Nur mit systematisch erhobenen Daten ließen sich verlässlich

quantitative Angaben machen.

Quelle:

andProsthetics/BreastImplants/ucm239995.htm

Patienteninformation der DGPRÄC zum Thema ALCL: www.dgpraec.de/alcl